MOI

Ich bin Luna (Deckname), komme aus einer relativ kleinen Stadt mit 14.000 Einwohnern, die nebenbei erwähnt alle auf der Beschissenheits-Skala von eins bis zehn auf einer elf stehen. Ich besuche ein allgemeines Gymnasium, zehnte Klasse und bin übrigens 15 Jahre alt (am sechsten August werde ich 16). So viel zu den "formalen" Informationen.
Im Grunde genommen bin ich nicht die typische Jugendliche/Pupertierende/sexuell Verwirrte/Entdeckende, die man bei einem 15 jährigen Mädchen erwartet. Ich bin frühreif, im Gegensatz zu meinen Freunden schon fast in der Rente, schwer depressiv seit fast sechs Jahren, SVV, ein Aufenthalt in einer Psychatrie wegen Suizidgefährdung, fünf Suizidversuche überlebt, bevorzuge aber den Ausdruck "versuchen fliegen zu lernen". Ich bin ein wahnsinnig ehrlicher Mensch, offen, habe eine gute Menschenkenntnis, lasse mich trotzdem regelmäßig verarschen. Ich hatte noch nie einen Freund. Ich bin ein sehr schwieriger Mensch, launisch aber fair. Ich trinke gerne Alkohol, habe aber kein Alkoholproblem, dafür ein "Nikotinproblem". Ich sorge mich um jeden, bin für jeden da, ist nicht immer so positiv wie es klingt, für mich zumindest, weil sich im Endeffekt trotzdem keiner um mich kümmert. Ich werde "Gruppen-Mutti" von meinen Freunden und meiner Psychologin genannt (kein freiwilliger Job). Ich schreibe gerne, male gerne, ansonsten liege ich nur auf meinem Bett. Ich habe keine Zukunftsperspektiven, keine Ziele, nur unerfüllbare Wünsche. 

"Entweder man liebt dich, oder man hasst dich, zwischen drin gibt's nichts." 
Zitat: meine besten Freunde

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Und das, meine Lieben, war ich vor gerade Mal vier Monaten. Das, was ich jetzt bin, ist nicht mehr das, was oben beschrieben wurde. Aber ich lasse es trotzdem stehen, einfach weil ich diese Phase aus meinem Leben mit dem Löschen des Textes nicht wirklich löschen kann. Im Endeffekt ist es trotzdem Teil meines Daseins. Heute würde ich andere Worte wählen, um mich zu beschreiben. 
Ich bin immer noch Luna, komme immer noch aus der selben Stadt und finde die Leute hier immer noch beschissen. Bin mittlerweile 16 und in der elften Klasse. Ich bin auch immer noch nicht das typische 16-jährige Mädchen, bin immer noch reifer und 'klarer im Kopf', wie mich viele beschreiben. Offenheit und Ehrlichkeit sind immer noch Teil von mir, und auch der ganze Rest des obigen Textes gehören zu mir. Trotzdem klingt das da oben alles irgendwie so negativ. Ich habe Zukunftsperspektiven und Ziele/Wünsche, die ich erfüllen kann und werde. Ich bin keine Gruppen-Mutti mehr, weil ich gelernt habe, wie ich dem aus dem Weg gehen kann. Bald beende ich meine Therapie, denn es geht mir gut. Im allgemeinen ist einfach fast alles positiv zu beurteilen. Warum nur fast? Naja, so ist das Leben nun mal. Niemand kann immer alles perfekt machen und nicht alles kann immer so laufen, wie es einem gerade passt. Irgendwo hat man immer Stress, immer irgend welche Dinge die einen auf die Palme bringen. Das habe ich gelernt und kann damit umgehen. Was wäre das Leben auch, wenn wirklich ALLES perfekt wäre? Ziemlich monoton, würde ich sagen. Ich habe gelernt, mein eigener Therapeut zu sein und aus negativen Erfahrungen positive zu machen. Ich bin immer noch die alte Luna, aber trotzdem völlig neu gestrickt. Man könnte sagen, mein Charakter ist selbstverständlich der selbe, nur meine Lebenseinstellung ist grundlegend erneuert worden. :-)

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